In vielen Familien ist das Vorlesen von Kinderbüchern eine Selbstverständlichkeit. Das Vorlesen gehört für sie genauso in den Familienalltag wie das gemeinsame Essen oder Spielen. Doch das ist leider nicht in allen Familien so. Vielleicht, weil einem in der Kindheit nicht vorgelesen wurde oder man hat schlicht keine Übung darin hat. Deshalb gibt es von uns heute die acht wichtigsten Tipps zum Vorlesen für Eltern. Damit klappt es garantiert mit dem Lesespaß und ihr werdet zum Vorleseheld eurer Kinder!

Tipp #1: Das Vorlesen steht im Mittelpunkt

Wenn ihr zusammen mit euren Kindern lest, seid immer zu 100 Prozent dabei. Alles andere, vom Anruf über Mails, hat während dieser Auszeit zu warten. Dies gilt übrigens auch gedanklich. Die wertvolle Zeit beim Vorlesen ergibt nur halb so viel Sinn, wenn ihr noch überlegt, was morgen eingekauft werden muss oder mental bei eurem Job seid. Gerade die jungen Zuhörer sind kritisch und merken schnell, wenn man nicht aufrichtig dabei ist. Und letztendlich könnt ihr diese Zeit ebenfalls wunderbar zum Abschalten und Herunterkommen nutzen.

Tipp #2: Auf die richtige Umgebung kommt es an

Auch das Drumherum spielt beim Vorlesen eine wichtige Rolle. Es ist von entscheidendem Einfluss, dass keinerlei Ablenkung in Form von Fernseher, Radio oder anderen lauten Personen herrscht. Man sollte für eine ruhige Atmosphäre sorgen, in der man sich entspannen und gemeinsam in die Geschichte versinken kann. Dazu eignen sich besonders gemütliche Orte, wie Couch oder Bett.

Tipp #3: Die Kids haben das Sagen

Eine der obersten Regeln bei Vorlesen ist, dass das Kind mitentscheiden darf, was gelesen wird.  Kinder entdecken die Welt jeden Tag aufs Neue und stoßen auf rätselhafte Gegebenheiten und och unbekannte Gefühle. Gerade Bücher helfen ihnen dabei, diese Dinge besser einordnen zu können, weil es zum Beispiel dem kleinen Hasen genauso ergeht, wie eurem Kind. Und da jedes Kind sich recht unterschiedlich entwickelt, ist es wichtig, darauf zu achten, was euer Kind momentan beschäftigt. Es wird euch in den meisten Fällen genau sagen können, was es lesen möchte oder ihr entscheidet gemeinsam. Und wenn es am fünften Tag in Folge das Buch xy lesen möchte, dann solltet ihr dafür Verständnis haben. Vielleicht liest es auf euren Vorschlag hin auch etwas anderes, aber nehmt es nicht schwer, wenn es beim aktuellen Lieblingsbuch bleibt. Letztendlich respektieren ihr damit den Wunsch eures Kindes und stärkt es in seinen Präferenzen bzgl. der Bücherauswahl.

Und zu diesem Punkt haben wir noch einen Tipp am Rande, falls ihr sehr viele Bücher daheim habt: Manchmal bietet es sich an, einen Korb oder Ähnliches mit Bücher im Kinderzimmer zu füllen. In einer Regelmäßigkeit, die ihr nach eigenem Ermessen wählt, tauscht ihr den Inhalt des Korbes aus. So habt ihr immer wieder Abwechslung beim Vorlesen. Nur ausgerechnet das Lieblingsbuch solltet ihr jedoch nicht unbedingt wegpacken…

Tipp #4: Das Vorlesen als Highlight des Tages

Den gedruckten Text herunterzuleiern und das Vorlesen schnell hinter sich bringen? – So funktioniert das Ganze keineswegs! Wenn man Kinderbücher vorliest, sollte man offen für die Geschichte sein. Dazu gehört, mal anders zu sprechen, phantasievoll zu betonen oder Geräusche zu machen. Es geht darum, das Vorlesen an sich abwechslungsreich zu gestalten, damit es nicht langweilig wird. Und besonders wichtig ist, dass euch das Vorlesen vor Kindern nicht peinlich sein muss, denn sie empfinden es überhaupt nicht als beschämend – ganz im Gegenteil! Wenn ihr mehr Übung habt, werdet ihr sie mit Sicherheit (und in voller Absicht) zum Lachen bringen. Also habt keine Hemmungen – den Kindern bereitet ihr damit eine Freude. Und ein Meister ist noch nicht vom Himmel gefallen. Mit der Zeit werdet ihr merken, dass ihr Fortschritte bei der Kunst des Vorlesens macht.

Tipp #5: Interaktivität beim Vorlesen ist gefragt

Mutter, 2 Kinder

Kinder sind wissbegierig. Sie wollen gefragt werden und möchten gerne antworten. Vor allem beim Vorlesen lässt sich dieses Frage-Antwort-Spiel hervorragend einbauen. Mit Fragen, wie: „Siehst du wo sich der Hase versteckt hat?“ oder „Meinst du der Hase hat Recht mit seiner Vermutung?“. Egal was sie Fragen, es geht darum, dass die eigene Meinung erwünscht ist und das Kind lernt sich zum Gelesenen zu äußern. Und egal was euer Kind zu sagen hat, seid offen für diese Anmerkungen während des Lesens. Genauso gut könnt ihr aber auch etwas erzählen, was euch passend zur Geschichte gerade einfällt, wie eigene Erfahrungen.

Tipp #6: Kinder brauchen Rituale

Das Vorlesen ist ein solch schönes Erlebnis, dass viele Familien daraus ein allabendliches Ritual machen. Wenn ihr dies also noch nicht eingeführt habt, können wir es euch nur empfehlen. Auf Dauer stärkt es das Gemeinschaftsgefühl, bringt Nähe zueinander, lässt selbst stürmische Kinder zur Ruhe kommen und viele Kinder entwickeln eine richtige Vorfreude auf dieses spezielle Ritual. Im Übrigen kann man dieses Ritual schon beim Baby einführen, das vielleicht noch kein Sinn für die Geschichte hat, aber es wird die Nähe spüren, schnell Gefallen an ihrer erzählenden Stimme finden und auch so tut das Vorlesen generell der Bindung zum Kind sehr gut. Nicht außer Acht zu lassen ist, dass auch das Sprachgefühl später davon profitiert.

Tipp #7: Zeit zum Vorlesen nehmen

Die Geschwindigkeit in der ihr gemeinsam ein Buch entdeckt, sollte stets an das Kind angepasst sein. Auf mancher Seite verweilt man länger, weil mehr Interesse besteht, etwas noch nicht verstanden wurde oder weil es schlicht und ergreifend zu unterhaltsam ist. Deswegen ist es wichtig auf das Kind zu achten, denn sonst wird es über kurz oder lang das Interesse am Vorlesen verlieren.

Tipp #8: Kinderbücher müssen mehr aushalten

Vergesst beim Vorlesen nie, dass es sich um Kinderbücher handelt und diese dementsprechend behandelt werden dürfen. Das heißt das Kind darf auch mal umblättern, wenn es möchte, was unter Umständen nicht so ordentlich wie bei einem Erwachsenen ausfällt. Natürlich sollte man den Kindern einen ordentlichen Umgang mit Büchern vermitteln, aber bitte niemals vergessen, dass es sich noch um Kinder handelt. So sieht man eben Kinderbüchern in der Regel an, dass sie in Gebrauch sind.

 

Unsere Tipps zum Vorlesen im Überblick

• 100% reine Lesezeit, nichts anderes spielt eine Rolle

• Eine ruhige Umgebung, kein Fernseher& Co

• Das Kind entscheidet, was gelesen wird

• Jedes Kind ist anders → auf die individuellen Wünsche und Vorlieben der Kids achten

• Das Vorlesen spannend gestalten: Stimme verstellen, Akzente nachahmen, Geräusche machen, etc.

• Beim Lesen dürfen Fragen gestellt und beantwortet werden, ins Gespräch kommen ist erlaubt

• Das Vorlesen eignet sich als Ritual, vor allem abends vorm Schlafengehen

• Unbedingt Zeit zum gemeinsamen Vorlesen nehmen

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