Transparenz wird überall gefordert – in der Politik, in der Bildung, in der Wirtschaft, in dem sozialen Sektor. Sie ist zu einem neuen Kriterium geworden, das für den Vertrauensaufbau in der Zivilgesellschaft sorgt.

Besonders hohe Erwartungen werden an die gemeinnützigen Organisationen, dem so genannten dritten Sektor gestellt. Spender wollen wissen, wohin ihr Geld geht und was es bewirkt. Es gibt immer noch keine staatlichen Forderungen und keine gesetzlichen Richtlinien, für die sich alle gemeinnützige Organisationen verpflichten müssen, um das eigene transparente Handeln nachweisen zu können.

Transparenz beweisen lassen

Wenn der Staat keine Lösung anbietet, wird die Lösung von den Interessengruppen entwickelt. So sind zwei Organisationen entstanden, die Spendensiegel vergeben: PHINEO und das Deutsches Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI).

PHINEO hilft den gemeinnützigen Organisationen durch die Publikationen, Beratungsangebote, Wirkungsanalysen und weitere Maßnahmen, sich erfolgreich und wirkungsvoll in der Gesellschaft zu engagieren. PHINEO vergibt das „Wirkt-Siegel“, das beweist, dass die Tätigkeit der jeweiligen Organisation tatsächlich wirkungsvoll ist und Nutzen bringt.

Das zweite Siegel ist das vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen und heißt „DZI-Spendensiegel“. Das bekommen in der Regel große Spendenorganisationen, die beweisen können, dass sie mit dem gespendeten Geld langfristig vertrauensvoll und ehrlich umgehen.

Eine weitere und oft genutzte Möglichkeit, die eigene Transparenz zum Ausdruck zu bringen, ist die so genannte Selbstverpflichtung, die durch die Unterzeichnung der Richtlinien der Initiative Transparente Zivilgesellschaft in Kraft tritt. Die teilnehmende Organisationen verpflichten sich, eine Liste aus zehn Transparenz-Kriterien auszufüllen und zu veröffentlichen. Dazu gehören unter anderem Satzung, Bescheid des Finanzamtes, Tätigkeitsstruktur, Mittelherkunft und Mittelverwendung.

Transparenz nur bei wenigen anerkannt

Es gibt in Deutschland über 600.000 gemeinnützige Organisationen. Davon erhielten nur etwa 200 das Wirkt-Siegel von PHINEO und rund 230 das DZI-Spendensiegel. Zusammengezählt sind das nicht mal 0,1%.

Die Richtlinien von der Initiative Transparente Zivilgesellschaft wurden von etwa 740 Akteuren unterzeichnet, also von 0,12% aller deutschen Organisationen, die im dritten Sektor tätig sind. Oft sind es die gleichen Organisationen, die alle drei Transparenzbeweise haben.

Junge Organisationen haben es besonders schwer

Für Librileo als junge gemeinnützige Organisation, die nur etwas mehr als ein Jahr existiert, gibt es leider viele Hürden auf dem begehrten Transparenz-Weg. Und sie hängen vor allem mit dem komplizierten Bewerbungsverfahren für die Spendensiegel zusammen.

Die Bewerbung um das Wirkt-Siegel von PHINEO funktioniert nur auf die Ausschreibung zum passenden Themenbereich. Das Thema, womit sich Librileo beschäftigt – Kinderarmut – wurde 2012 ausgeschrieben, d.h. die Siegel wurden vor knapp 4 Jahren vergeben. Wann und ob dieses oder ein ähnliches Thema noch einmal wiederkommt, ist unklar.

Um sich für das DZI-Spendensiegel zu bewerben, muss man die Jahresberichte für zwei letzte Geschäftsjahre vorlegen. Wenn die Organisation erst seit einem Jahr existiert, ist also Geduld gefragt.

Die Initiative Transparente Zivilgesellschaft macht es einfacher und bietet ein einheitliches Format für die Transparenzerklärung an. Wir haben es übernommen und auf unserer Webseite veröffentlicht: Transparenzerklärung der gemeinnützigen Librileo UG.

Wir gestalten unsere Arbeit transparent und geben uns Mühe, um unsere Transparenz anerkennen zu lassen. Das ist nur eine Frage der Zeit.

 

Quellen:

PHINEO: Transparenz von gemeinnützigen Organisationen (pdf)

DZI: Zum Thema Transparenz

Initiative Transparente Zivilgesellschaft

 

Text: Ekaterina Anokhina

Bild: pixabay

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