Lesen ist wichtig für die Entwicklung von Kindern. Aber wieso eigentlich? Und wie steht das Lesen und die Leseförderung bei den Kids im Zusammenhang mit Bildungsarmut? Wir haben bei einer Expertin nachgefragt und Infos aus erster Hand ergattern können: In Teil 1 des Interviews steht uns Sarah Seeliger, der Mitgründerin von Librileo, Rede und Antwort.

1.Würden Sie sagen, dass Lesen und Vorlesen für die Sprachentwicklung der Kinder eine besondere Rolle spielt? Warum ist Lesen wichtig?

Lesen Babys ist wichtig_Interview Sarah Seeliger Librileo

Lesen ist wichtig für Kinder, auf jeden Fall! Vor allen Dingen: Kinder ab null Jahren sollten im Idealfall von ihren Eltern oder von ihrem Umfeld nicht unbedingt vorgelesen bekommen, aber man muss viel mit ihnen sprechen. Das Beschäftigen und der Austausch mit den Kindern ist enorm wichtig für den Spracherwerb. Später ist es natürlich für das Lesen- und Schreibenlernen wichtig, dass man den Kindern vorliest.

Ab null ist es natürlich nicht so wichtig, wie mit drei oder vier Jahren. Denn mit drei oder vier kann man eben schon mit den Augen erkennen, was da in dem Buch passiert. Nämlich, dass ich von links nach rechts lese, dass gegebenenfalls unten Seitenzahlen im Buch stehen, dass ich ein Bild beschreibe. So lernt man quasi ohne das man weiß, dass man lernt und dann ist es viel, viel einfacher in der Schule, wenn es darum geht Lesen zu lernen. Das ist also ein riesen Vorsprung, den man kaum aufholen kann über so viele Jahre. Andere Kinder, die in armen Familien aufwachsen und nur ein einziges Kinderbuch zu Hause haben, müssen das dann in einem halben Schuljahr lernen. Dafür braucht man einfach Vorsprung und Kinder in schwierigen Lebenslagen haben den häufig nicht, weil die Eltern dann einfach vorher noch nicht gelernt haben, dass auch das Bücheranschauen Bildung und das Lesen für den Bildungsweg ihrer Kinder einfach wichtig ist .

2. Wie sind Sie auf die Problematik der Bildungsarmut gestoßen und was hat Sie zur Idee von Librileo gebracht?

Kindern vorlesen ist wichtig _Interview Sarah Seeliger Librileo

Angefangen haben wir mit Kinderbüchern, die man kaufen kann, ausgewählt zu verschiedenen Themen und für verschiedene Altersgruppen. Ein wenig später sind wir darauf gestoßen, dass manche Menschen den Zugang zu Büchern noch viel, viel, viel dringender brauchen als die, die sich regelmäßig neue Bücher kaufen können. Das haben wir vor allem bei einer Vorleseveranstaltung bemerkt, die wir im Planetarium organisiert haben. Das war ein kostenfreies Event zum Vorlesetag. Die Menschen, die uns besucht haben, waren aber Menschen, die locker 5 bis 10 Euro Eintritt hätten zahlen können und hätten das auch gemacht. Das ist einfach eine Schieflage! Menschen mit Geld haben es einfacher. Menschen ohne Geld haben es schwieriger. Ich wollte nicht, dass die armen Menschen nicht teilhaben können an unserem Angebot. Und dann haben wir nach Wegen gesucht, haben recherchiert: Was ist das „Gemeinnützigkeit“? Wir haben uns dann eingelesen und ich habe zu diesem Thema meine Bachelorarbeit geschrieben. Wir haben mit Stiftungen gesprochen und konnten uns ein Netzwerk aufbauen. Aber warum wir das gemacht haben, war wirklich zum einen der Weg, den wir ja vorher schon hatten, und zum anderen einfach die Überzeugung, dass wir gerne Leseförderung für Familien machen möchten, die bisher noch keine Bücher haben.

Wir haben immer wieder mitbekommen, dass gerade Familien, die wenig Geld haben, keinen Zugang zu Büchern haben, keine Kinderbücher zu Hause haben, nicht wissen, wie man richtig liest. Das hat auch damit zu tun: Gerade ganz am Anfang, hat die Mama von Julius, meinem Gründungspartner und Freund, uns unterstützt. Sie ist Sozialpädagogin und das hat wirklich so in den ersten Monaten auch dazu geführt, […]  dass wir das Thema besser gesehen haben. Wir haben da vorher nie Kontakt und Berührungspunkte gehabt. Wir wussten zwar, dass die Mama in einer Mutter-Kind-Einrichtung arbeitet, aber, dass sie da mit Familien zusammenarbeitet, die arm sind oder die soziale Not haben, weil sich diese soziale Armut auch vererbt hat. Kompetenzen, die man nicht erlernt hat, kann man eben auch nicht an die Kinder weitergeben.

Teil 2 folgt nächste Woche.

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