Anhang Pressemitteilung: Einige Fakten zur Kinderarmut in Teltow-Fläming

Frühkindliche Bildung ist wichtig

Jedes Kind hat Recht auf Bildung[1]. Zahlreiche Studien zeigen, dass frühkindliche Bildung wichtig ist, indem sie sie als Grundlage für weitere Bildungsbiographie betonen, die maßgeblich Einfluß auf Lernfähigkeit, Teilhabe- und Aufstiegchancen hat[2]. Babys und Kleinkinder sind neugierig und die Anreize, die sie haben, prägen ihre Entwicklung in den ersten Lebensjahren. Vielfalt und Qualität der Anreize trägt später zu besseren Bildungschancen und Jobperspektiven bei, was wiederum das Armutsrisiko einschränkt.

Kinderarmut in Teltow-Fläming

2015 leben in Brandenburg 61.608 Kinder unter 18 Jahren in Familien, die Grundsicherungsleistungen erhalten (sog. Bedarfsgemeinschaften), in Deutschland sind es insgesamt 1.931.474 Kinder.[3] Im Landkreis Dahme-Spreewald liegt der Anteil an Kindern unter 15 Jahren, deren Eltern von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II (Hartz IV) leben, bei 14,8 Prozent (2917 Kinder). Im Landkreis Teltow-Fläming sind es 3213 Kinder und damit 15,8 Prozent. Damit bewegen sich beide Landkreise sehr nah am Bundesdurchschnitt (15,7 Prozent).[4]

Kinderarmut führt oft zur Bildungsarmut

In Deutschland leben mehr als zwei Millionen Mädchen und Jungen in Armut. Bundesweit umfasst allein die Gruppe der 0-6 Jährigen rund 825.000 Kinder.[5] Jede sechste Person aus einem Familienhaushalt (16,9 Prozent) und jeder fünfte Minderjährige (18,9 Prozent) lebt in Einkommensarmut.[6] Laut der letzten Prognose des Deutschen Kinderschutzbundes könnten bis zum Jahr 2030 mindestens vier Millionen Kinder in Deutschland als arm gelten, zu denen weitere 500.000 in Armut lebende Flüchtlingskinder kämen.“[7]

Familien, die sich finanziell einschränken müssen oder bildungsfern sind, haben begrenzte Möglichkeiten, ausreichende Anreize für ihre Kinder zu schaffen. Untersuchungen zum Lernerfolg von Kindern in der Schule zeigen, „dass die soziale Herkunft von Kindern und die Bedingungen ihres Aufwachsens vor dem Schuleintritt großen Einfluss auf ihre Lernfähigkeit haben.“[8] Dies beweisen auch Analysen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, indem sie zeigen, „dass in Deutschland die Lernleistungen der Kinder deutlich vom jeweiligen familiären Hintergrund abhängen.“[9] Das hat Auswirkungen auch auf die gesamte Gesellschaft und Volkswirtschaft: Im Jahr 2004, „nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft … wurden 3,4 Milliarden Euro für nachschulische Qualifizierungsmaßnahmen ausgegeben.“[10]

Babys und Kleinkinder brauchen mehr Chancen

Die meisten Kinder werden in den ersten Lebensjahren nur im familiären Umfeld betreut. Erst ab dem dritten Lebensjahr besucht die Mehrheit eine Tageseinrichtung.[11] Idealerweise sollten Kinder in einer Weise gefördert werden, die ihrer Entwicklungsphase als auch der Art entspricht, wie sie die Welt erkunden und verstehen. In vielen Familien ist es auf Grund der Lebenslage oft gar nicht möglich, was negative Auswirkugen auf die Bildungsbiographie der Kinder hat: „Kinder aus Hartz-IV-Familien sind viel häufiger in ihrer Entwicklung gebremst als Jungen und Mädchen aus sicheren Einkommensverhältnissen.“[12]

Wir wollen genau diese Familien darin unterstützen, dass sie ihre Kinder besser und regelmäßig fördern: Mit ihnen sprechen, lesen und spielen.

[1] UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 28

[2] http://www.kas.de/wf/doc/kas_4628-544-1-30.pdf?080222111142; Innocenti Research Centre: https://ideas.repec.org/p/ucf/inwopa/inwopa08-53.html; http://www.bildungsbericht.de/daten/c_web.pdf; Prof. Claudia Roebers, Neuropsychologin, Universität Bern: www.bildungslandschaften.ch/roebers; https://www.hf.uni-koeln.de/data/eso/File/Schaefer/Prozesse_Fruehkindlicher_Bildung.pdf; http://www.weiterbildungsinitiative.de/uploads/media/WiFF_Wegweiser_4_Fruehe_Bildung_Internet.pdf

[3] Bertelsmann Stiftung, Factsheet Kinderarmut http://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/Projekte/Familie_und_Bildung/Factsheet_WB_Kinderarmut_BB_09_2016.pdf

[4] MAZ Online http://www.maz-online.de/Lokales/Dahme-Spreewald/Kein-Kino-kein-Urlaub-kaum-Klamotten

[5] http://www.boeckler.de/wsi_62998.htm

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_WB_Kinder-_und_Familienarmut_2015.pdf

[6] http://www.keck-atlas.de/uploads/tx_jpdownloads/Studie_Wohnungsangebot_fuer_arme_Familien_in_Grossstaedten.pdf

[7] http://www.focus.de/finanzen/news/mindestens-vier-millionen-bis-2030-kinderschutzbund-befuerchtet-massiven-anstieg-der-kinderarmut-in-deutschland_id_5321137.html

[8] Innocenti Research Centre: https://ideas.repec.org/p/ucf/inwopa/inwopa08-53.html

[9] http://www.bpb.de/apuz/30383/bildungsarmut-auswirkungen-ursachen-massnahmen?p=all

[10] http://www.welt.de/print-welt/article190327/Schulabbrecher-verursachen-in-Deutschland-Milliarden-Kosten.html

[11] Bertelsmann Stiftung: Wegweiser Kommune; www.wegweiser-kommune.de (Nur ca 20 % der Kinder im Alter 0-3 Jahre besuchen eine Tageseinrichtung.)

[12] http://www.domradio.de/themen/soziales/2015-03-13/kinder-aus-hartz-iv-familien-haben-haeufiger-defizite; https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_WB_Kinder-_und_Familienarmut_2015.pdf

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.
Jetzt spenden